Homestory aus Tallinn: Die Wohnung eines estnischen Architekten vereint modernes Design mit 30er-Jahre-Look
Baltic Design Shop - 15.05.2017
In einem Wohnhaus in Tallinn, das in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts vom wohlhabenden bürgerlichen Milieu bewohnt wurde, plante der Architekt Alfred Kehva auch eine Wohnung für sich selbst. Im dritten Obergeschoss liegend, beherbergte die große 94,6 m2-Wohnung ein geräumiges Foyer, ein Kamin- und Esszimmer, Dienstmädchenzimmer, eine Küche, ein Schlaf- und ein Badezimmer.
Die Innendesignerin Angelika Vaht hat sich jetzt die Aufgabe gestellt, den Grundriss dieser Wohnung den heutigen Bedürfnissen anzupassen, ohne dabei auf die vorhandenen Einrichtungselemente zu verzichten. Durch das gekonnte Kombinieren von Originaldetails und moderner Inneneinrichtung hat sie eine Wohnung mit besonderer Atmosphäre geschaffen.
Die Renovierung der Wohnung begann mit einem Modernisierungsplan. Das Bad wurde auf Kosten des Foyers vergrößert, da ein direkter Zugang zum Esszimmer und zur Küche nicht mehr notwendig war. Das kleine Dienstmädchenzimmer wurde aufgegeben, um mehr Fläche der Küche zur Verfügung zu stellen.

Die Wohnung ist geräumig und hell, aus den Fernstern öffnet sich ein Blick sowohl auf den Park, wie auch auf die Altstadt von Tallinn. In der Gestaltung der Wohnung setzte die Designerin auf Kontraste: alt und neu, hell und dunkel. Die Wände und die Decken in der gesamten Wohnung wurden weiß gestrichen, für das Esszimmer hat sie eine Tapete in zarten Tönen ausgewählt. Parkettböden sind als Gegenpol zu den hellen Wänden dunkel geölt. Die Küche in schwarz und dunkelgrau ist maßgeschneidert. Als moderne Elemente wurden in der Küche Marmor und Beton eingesetzt. Die Arbeitsfläche ist aus Betonmasse, in die getönte Farbpigmente hinzugefügt wurden. Die Fläche wurde anschließend poliert und lackiert und hält jetzt auch hohen Temperaturen stand.

Die Originaldetails der Wohnung wurden, so viel es ging, beibehalten und aufgepeppt. Da die Wohnung in einem recht guten Zustand war, haben alle Zimmer noch den Original-Fischgräten-Parkett, Deckenverzierungen sowie ursprüngliche Innentüren und Einbauschränke.
Zwischen Foyer und Schlafzimmer entdecke die Innendesignerin ein kleines Fenster, was sich hinter dem Spiegel versteckt hatte. Das Glas des Fensters wurde ausgetauscht und das Fenster als Gestaltungselement gezielt in Szene gesetzt. Alle Türen in der Wohnung wurden restauriert, die Leisten nur teilweise erneuert. In jedem Zimmer sollte nach dem Plan der Designerin ein Einbauschrank stehen. So war es auch ursprünglich, weshalb die meisten vorhandenen Schränke weiterhin eingesetzt werden konnten. Nur im Arbeitszimmer sollte ein größerer Schrank stehen, weshalb der Originalschrank erweitert und mit neuen Türen versehen wurde.

Die Leuchten im Foyer stammen aus dem Fundus des estnischen Designers Tõnis Vellamaa. Die Beleuchtung für das Esszimmer wurde von den Vorgängern übernommen. Die modernen Küchenlichter sind von Artemide. Die Wohnzimmerleuchte Vertigo vereint den Altbau mit modernem Design und schafft so eine besondere Atmosphäre. Im Zusammenspiel mit dem alten Kamin, dem dezenten Modulsofa in blau und dem kuscheligen Teppich in grau ist eine Wohlfühloase mit Stil entstanden.
Text: Eva Arpo | Fotos: Tõnu Tunnel

