Skandinavisches Lebensgefühl in der Wohnung? Innendesignerin Britta Kongo erklärt ihren Stil
Baltic Design Shop - 15.06.2016
Britta Kongo ist eine junge Inneneinrichterin aus Estland, die in ihrer Arbeit vor allem den skandinavischen Einrichtungsstil bevorzugt. Heute stellt Sie sich im Baltic Design Blog vor und erklärt, welche Aspekte beim Einrichten einer Wohnung wichtig sind, gibt Tipps und Tricks für die Gestaltung einer Wohnung und zeigt uns, wie sie selber wohnt.

Liebe Britta, warum ist gerade der skandinavische Stil für dich so wichtig?
In Estland, wo es fast ein halbes Jahr lang dunkel ist, braucht eine Wohnung viel Zugang zum Licht, offen gehaltene Räume und dezente Farben. Der skandinavische Stil in der Inneneinrichtung ist dazu am besten geeignet, in so einem Klima gemütliche und harmonische Räume zu schaffen. Durch ein Paar ausgewählte Möbelstücke aus Holz, Stoffe aus Filz oder Leinen entsteht dann ein Zuhause zum Wohlfühlen und Auftanken.
Welche Einrichtungsstile findet man bei Dir Zuhause?
Ich wohne in einem in den 90ern gebauten Wohnhaus, das ein bisschen Retro und ein bisschen skandinavisch eingerichtet ist. Die Idee war, die Inneneinrichtung mit der Außenoptik des Hauses im Einklang zu halten. Es gibt gestrichene Mauersteinwände im Schlafzimmer und in der Küche, Möbel im dezenten Retro-Stil und Mosaikparkett. Das Ganze wird abgerundet mit für mich typischen hellen Wänden, Holzelementen und natürlichen Stoffen. Von der Farbkombination her ist die Wohnung eher in weiß-grau-Holztönen gehalten. Offen und minimalistisch, aber trotzdem gemütlich und mit viel Platz auch für die Bewohner.


Warum sollte man Einrichtungstipps von einem Einrichtungsberater einholen?
Erstens hat ein Inneneinrichter die Erfahrung und die Fähigkeit, aus einer Wohnung das Maximum herauszuholen und mit verschiedenen Räumen zu spielen. Die durchdachte Raumplanung führt zu einer praktischen Raumnutzung, die gemütlich und einladend ist.
Ein Raumplaner oder Interior Designer behält zweitens immer das große Bild im Auge und handelt danach. Er findet den passenden Stil für die vorhandenen Räumlichkeiten, er kombiniert Farben mit Materialien, Möbelstücken und Leuchten und schafft ein perfektes Ganzes. Üblicherweise haben meine Kunden viele tolle Ideen und Wünsche, doch alles so umzusetzen ist nicht immer gut. Wenn der Innenarchitekt und der Kunde gemeinsam die Wünsche und Ideen durchspielen, ist das Ergebnis besser und der Kunde fühlt sich in seiner Wohnung nachher auch wohl.
Drittens hilft ein Innendesigner in der heutigen schnellen Welt Zeit und Ressourcen zu sparen, indem er wohlüberlegt und professionell vorgeht. Eine Wohnung einzurichten ist ein Vollzeitjob für mehrere Monate. Ohne professionelle Hilfe neigen die Menschen dazu, schnell und unüberlegt Kaufentscheidungen zu treffen, die sie später bereuen z.B. falsche Wandfarbe, unpraktisches Sofa, usw.

Wie würdest du den Geschmack der Esten in der Inneneinrichtung charakterisieren? Was mögen sie besonders und was kommt bei denen garantiert nicht ins Haus?
Die Esten gehen beim Einrichten eher traditionell vor. Sie bevorzugen das Altbewährte und Sichere und spielen weniger mit dem Neuen und Spannenden. Da die meisten Esten eine Stadtwohnung und ein Sommerhaus auf dem Land haben, sind in der Einrichtung auch deutliche Unterschiede zu erkennen. Die Stadtwohnungen werden eher klassisch-modern eingerichtet, während in den Sommerhäusern das Maritime mit Landhausstil und Etnoelementen kombiniert wird.
Allgemein sind Räume eher hell gehalten, offen und gemütlich gestaltet und ähnlich zum skandinavischen Stil nicht sehr luxuriös oder protzig. Die Esten lieben es praktisch und bequem.
Die Gestaltung der Wohnräume – wo werden die meisten Fehler gemacht?
Beim Einrichten darf man nicht das Gesamtbild aus den Augen verlieren. Oft neigen die Menschen dazu, spontan zu handeln und vieles zu kaufen, was als Einzelstücke cool sind, aber zusammen mit anderen Elementen in der Wohnung nicht so wirken wie gedacht. Die Folge sind planlos eingerichtete Räume, die viel zu voll wirken. Wichtig beim Gestalten einer Wohnung ist es, mit Möbel nicht zu übertreiben. Jeder von uns hat Dekoelemente, die nachher das Bild zusätzlich ändern und perfektionieren. Und wichtig ist, dass auch die Menschen in den Räumen Platz haben.

Welche Wandfarben würdest Du eigentlich immer empfehlen?
Helle, warme Beige- und Grautöne. Diese passen eigentlich immer und lassen viel Spielraum übrig für andere Einrichtungsgegenstände in der Wohnung.
Welche drei Aspekte sind beim Einrichten einer Wohnung am wichtigsten, wo sollte man überlegt vorgehen?
Das Gesamtbild - angefangen von Wandfarben bis zu den wichtigsten Möbel und Leuchten – muss vorher gründlich durchdacht werden.
Hör auf dein Inneres - was magst du, was gefällt dir? Gehe nicht nach neuesten Trends oder Glanzfotos der Einrichtungsmagazine, sondern überlege, was für dich das richtige wäre.
Die Böden und die Wände, der Rahmen sozusagen, müssen eher dezent sein, aber hohe Qualität haben. Später kann man mit verschiedenen Details Spannung in die Wohnung reinbringen und diese auch leicht gegen andere Elemente austauschen.
Welcher aktueller Trend in der Inneneinrichtung gefällt Dir besonders gut?
Ich liebe Marmor. Sogar das Zifferblatt meiner Armbanduhr ist aus Marmor und ich liebe es, auf meine Uhr zu schauen!:)
Deine besten Tricks, die Du in der Gestaltung der Wohnräume oft verwendest?
Ich habe keinen besonderen Trick. Ich höre auf mein inneres Gefühl und auf meine Kunden. Aus diesen zwei Quellen entsteht ein Konzept, das immer zu guten Ergebnissen führt. Inneres Gefühl ist das Wesentliche und es funktioniert immer.
Was inspiriert dich in deiner Arbeit?
Die Umwelt um mich herum, die Menschen und vor allem die Natur. Ich schaue mich auch gerne auf verschiedenen Websites und Blogs um und blättere in Zeitschriften, um zu überlegen, wie könnte ich einiges, was ich sehe, anders machen.
Mich fasziniert zunehmend die Wirkung eines Raumes auf den Menschen. Sie kann sehr positiv sein, aber auch negativ. Hängt von der Person ab, die einen bestimmten Raum betretet. Auch was ein Mensch um sich braucht, um glücklich zu sein, ist sehr unterschiedlich. Spannendes und inspirierendes Feld! Ich will Räume schaffen, die den Menschen ein gutes Gefühl geben und ihre Augen zum Leuchten bringen. Dann weiß ich, dass ich gute Arbeit geleistet habe.
