Im Gespräch mit EMKO aus Litauen über die Anfänge der Marke, Möbel mit Sinn und Funktion und neue Entwürfe aus Produktionsresten.
Anfänge und Haltung
Wie entstand EMKO?
Ehrlich gesagt passten die Dinge einfach zur richtigen Zeit zusammen. Natürlich mussten wir uns entscheiden und den Schritt wagen – und das taten wir. Es war 2012, und in Litauen gab es noch keine Möbelmarke mit nordisch-skandinavischem Design im mittleren bis gehobenen Segment. EMKO arbeitete bereits mit vielen Herstellern zusammen, und wir lernten einige Designer kennen. Schritt für Schritt kamen wir an den Punkt, an dem wir die richtigen Produkte für den Start hatten. Wir sagten uns: Wenn wir es jetzt nicht machen, wird es nie passieren. Also legten wir los.
Welche Werte prägen die Arbeit – und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Wenn wir ein Produkt auswählen, fragen wir zuerst, ob es auf dem Markt wirklich gebraucht wird und welchen Nutzen es den Menschen bietet. Heute gibt es so viele Dinge, dass wir uns bei jedem weiteren Produkt fragen sollten, ob die Welt es wirklich braucht.
Zweitens werden alle EMKO-Produkte vollständig in Litauen hergestellt. Wir streben keinen Massenkonsum an. Unsere Produkte werden so gestaltet und gefertigt, dass sie lange halten. Wer einen unserer Esstische kauft, braucht wahrscheinlich in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren oder noch länger keinen neuen. Wir möchten die Menschen nicht dazu ermuntern, ständig weiterzukaufen, sondern bessere, lokal hergestellte Produkte zu wählen.
Nachhaltigkeit gehört selbstverständlich zu den treibenden Kräften unseres Unternehmens. Wer sie heute nicht berücksichtigt, verschließt bewusst die Augen. Die Welt ist voller Gegenstände – Möbel, Kleidung, Haushaltsgeräte und vieles mehr. Darüber müssen nicht nur die Käufer nachdenken, sondern auch Marken und Hersteller.
Wie beeinflusst die eigene Herkunft die Entwürfe?
Die Kultur und der Lebensstil der Menschen in Litauen sind eher nordisch geprägt. Deshalb ist es selbstverständlich, dass sich auch unser bevorzugtes Design in diese Richtung bewegt. Oft hören wir einen Vergleich, dem wir zustimmen: Litauisches Design ist wie skandinavisches Design, nur etwas wärmer.
Design und Alltag
Welches Produkt oder Projekt macht besonders stolz?
Im Moment freuen wir uns besonders über unsere neuen Produkte aus Produktionsresten.
Die Decke KLOD besteht vollständig aus Stoffresten aus der Polstermöbelfertigung. Diese Stoffe wären sonst weggeworfen worden.
Die hölzernen Tierfiguren I Piccolini entstehen aus Hartholzresten. Deshalb ist jede Figur einzigartig und kann kleine Unregelmäßigkeiten aufweisen. Der Gedanke, diesem Holz ein zweites Leben zu geben, ist einfach schön.
Die Kollektion Not-A-Sofa wird aus Schaumstoffresten aus der Produktion gefertigt, die mit EPS-Kügelchen gemischt werden.
Diese Produkte zeigen, dass wir manchmal nur über gewohnte Grenzen hinausdenken müssen, um schöne und stilvolle Dinge zu schaffen, ohne unnötig viele Ressourcen zu verbrauchen.
Was bedeutet gutes Design?
Bei EMKO sagen wir gern: Schönheit darf nicht leer sein. Damit meinen wir, dass jeder Gegenstand einen Zweck und eine Funktion haben muss. Ohne sie wäre er Verschwendung. Gutes Design sollte außerdem kluge Lösungen für den Materialeinsatz bieten. Ein Beispiel ist das neue NVMD-Wandregal: Die Form ist so angelegt, dass sich zwei Regale spiegelbildlich ergänzen. Aus einem quadratischen Stahlstück entstehen dadurch zwei identische Regale ohne Verschnitt.
Was sollen die Produkte den Menschen vermitteln?
Wir möchten die Idee eines Designs ohne Druck vermitteln. Die Dinge einfach halten und manches nicht zu ernst nehmen. Das zeigt sich in unseren minimalistischen, einfachen Entwürfen, in den unperfekten I-Piccolini-Holztieren, die gerade dadurch besonders werden, und in unprätentiösen Gegenständen mit eigenem Charakter. In einer Zeit voller Hektik, Druck und Unsicherheit möchten wir einfach und unbeschwert sein.
Herkunft und Perspektiven
Welche Geschichte über EMKO sollte erzählt werden?
Wir erzählen noch immer mit einem Lächeln von unseren Anfängen als Marke und unserer ersten Möbelmesse in Köln im Januar 2013. Wir hatten keine Erfahrung mit den Abläufen und der Logistik einer Messeteilnahme – und nur zwei Prototypen. In vier Wochen mussten wir einen Markennamen finden, ein Logo entwickeln, Prospekte und Visitenkarten drucken und den Transport organisieren. Und wir waren nur zwei Frauen! Es blieb keine Zeit zum langen Nachdenken und Planen: Wir mussten handeln und vorankommen. Unser Stand war nicht perfekt, aber dort trafen wir unsere ersten Geschäftskunden. Damit begann unsere Geschichte.
Was macht litauisches Design besonders?
Es ist sehr authentisch. Man kann das einfach spüren. Es gibt keine überflüssigen Details und keine aufgesetzte Dekoration. Gleichzeitig wirkt es warm und unkompliziert.
Was sollten Menschen in Deutschland über Litauen wissen?
Oft begegnen wir dem Klischee, Litauen sei vor allem ein Produktionsstandort – für Möbel, Kleidung oder Bauteile. Wir haben tatsächlich eine gute Grundlage für die Fertigung, sind aber viel mehr als das. Litauen ist ein Land des Designs, der IT, kluger Lösungen und erfolgreicher Start-ups, die zu Unicorns geworden sind. Vor allem sind wir verlässliche Partner: Wir geben nicht auf.
Das Interview wurde für den Baltic Design Shop ins Deutsche übersetzt.
.png?1646907391)

