Sideboard Trends 2027: Diese Entwicklungen sind schon abzusehen
Vier Messen, ein gemeinsamer Nenner: Das Sideboard wird 2027 runder, persönlicher und wieder sichtbar handwerklich, egal ob skandinavisch reduziert oder unverkennbar retro.
Die Trendberichte der Ambiente in Frankfurt, der Salone del Mobile in Mailand, der Stockholm Furniture Fair und der imm cologne zeichnen unterschiedliche Stilwelten, zeigen in der Summe aber eine klare Richtung: weg vom reinen Stauraum-Kasten, hin zum Möbelstück mit eigenem Charakter.
Wer jetzt ein Sideboard sucht oder sein Wohnzimmer für die kommenden Jahre plant, bekommt hier die Einordnung aus vier Messeperspektiven: keine einzelne Trendvorhersage, sondern das, was sich wiederholt und damit wahrscheinlich bleibt.

Die Sideboard - Trends 2027 im Überblick
- Form: Kanten werden weicher. Abgerundete Fronten, schwebende Beine und organische Silhouetten lösen die reine Kiste ab.
- Skandinavisch: Helles Holz, reduzierte Linien und ruhige Materialkombinationen bleiben der sichere Anker, bestätigt von der Stockholm Furniture Fair.
- Retro: 60er- und 70er-Jahre-Formen wie Schiebetüren, Lamellenfronten und warme Farbflächen erleben eine zweite Welle.
- Material: Eiche und Nussbaum dominieren, ergänzt um Geflecht, Keramik und, bei der dekorativeren Richtung, dunklere Edelhölzer.
- Farbe: Warme Erdtöne wie Karamell, Terrakotta und Salbeigrün treffen auf einzelne mutige Akzente in Rot oder Grün.
Welche Form hat das Sideboard 2027?

Die kantige, frontbündige Kommode verliert an Boden. Auf mehreren Messen zeigte sich derselbe Bewegungsablauf weg von der reinen Rechteckform: Ecken werden gebrochen oder ganz abgerundet, Fronten bekommen einen leichten Schwung, und das Möbelstück wirkt dadurch weniger wie ein Baukörper und mehr wie ein eigenständiges Objekt im Raum.
Internationale Trendbeobachter sprechen für 2026 und darüber hinaus von genau dieser Entwicklung. Für Interior-Designerin Alexis Vitale bringen organische, geschwungene Formen Wärme in den Raum und lassen selbst große Möbelstücke architektonisch wirken statt wuchtig.
Auch Stauraummöbel werden dabei zunehmend als gestalterischer Mittelpunkt behandelt statt als nachträgliche Lösung für zu viel Krempel.
Konkret für das Sideboard bedeutet das:
- Abgerundete Ecken und geschwungene Fronten statt scharfkantiger Kistenoptik.
- Schlanke oder runde Beine, die das Möbelstück optisch vom Boden abheben, auch bei breiteren Modellen.
- Lamellenfronten aus feinen, oft vertikalen Holzstäben, die Struktur geben, ohne unruhig zu wirken.
- Grifflose Fronten mit Push-to-Open-Mechanik für eine aufgeräumte, reduzierte Optik.
Diese Formensprache ist kein Widerspruch zu Skandinavisch oder Retro, sie ist die gemeinsame Basis, auf der beide Stilrichtungen 2027 aufbauen, nur mit unterschiedlicher Note bei Farbe und Material.

Sideboard skandinavisch: Was zeigt die Stockholm Furniture Fair?
Auf der Stockholm Furniture Fair 2025 standen natürliche und weiche Materialien im Zentrum, mit dem erklärten Ziel, stimmige Räume zu schaffen, in denen Formen und Materialien zusammenpassen statt gegeneinander zu arbeiten. Recycelte und ressourcenschonende Materialien spielten dabei eine wachsende Rolle, ein Hinweis darauf, dass Nachhaltigkeit im skandinavischen Design kein Zusatzargument mehr ist, sondern Grundvoraussetzung.

Für das Sideboard heißt das konkret: helles, naturbelassenes Holz wie Eiche oder Esche, eine reduzierte Formensprache ohne überflüssige Dekoration und eine klare Haptik, bei der man dem Material ansieht, dass es Holz ist und nicht nur so aussieht. Der Japandi-Einfluss, also die Verbindung aus skandinavischer Klarheit und japanischer Reduktion, bleibt dabei die prägende Unterströmung: wenige, aber hochwertige Linien statt vieler Details.
Genau diese Haltung steckt auch in Sideboards wie dem TRIIP aus Eichenfurnier mit schwarzen Metallakzenten, gefertigt vom estnischen Hersteller Woodman: klare Linien, ein ruhiger Materialkontrast und keine Spur von Übergestaltung.

Sideboard Retro: Die 60er und 70er sind wieder da
Parallel zur skandinavischen Klarheit läuft ein zweiter, auf den ersten Blick gegensätzlicher Strang: Sideboards im Retro Stil.
Auf dem Gebrauchtmarkt sind Teak-Sideboards und Highboards aus den 1960er- und 1970er-Jahren seit Jahren gefragt, auf internationalen Design-Plattformen wie 1stDibs werden italienische Credenzas aus Holz, Stahl, Bambus und Rattan aus genau dieser Zeit als eigene Kategorie gehandelt.
Diese Nachfrage ist kein Nischenphänomen mehr, sondern sickert direkt in aktuelle Kollektionen durch.

Wie ernst die Branche diese Formensprache wieder nimmt, zeigte die Mailänder Design Week 2026: Zum 100. Geburtstag von Verner Panton legten Cassina und Karakter dessen Sessel-Klassiker aus den Siebzigern originalgetreu neu auf, ein Statement für die ganze Branche, nicht nur für Sitzmöbel.
Der US-Trendbericht von Hackrea beschreibt für Sideboards und Buffets zusätzlich eine „Hutch-Revival“ genannte Rückkehr vertikaler Vitrinenmöbel mit Glasfronten, bei denen Geschirr und Objekte bewusst gezeigt statt versteckt werden, ein klarer Bruch mit dem rein funktionalen, geschlossenen Stauraumdenken der vergangenen Jahre.

Welche Materialien prägen die Sideboard-Trends 2027?
Für 2027 hat die Ambiente in Frankfurt ihr Leitthema bereits vorgestellt: „Coexistence“, übersetzt in drei Stilwelten, die laut der von der Messe beauftragten Trendagentur bora.herke.palmisano unterschiedliche Materialwelten nebeneinander bestehen lassen, statt eine davon zur alleinigen Antwort zu erklären.
Für Sideboards lassen sich daraus drei sehr unterschiedliche, aber alle plausible Richtungen ableiten.
Clear + lovely: helles Holz und Naturfasern
Die erste Stilwelt setzt auf unbehandeltes, helles Holz, kombiniert mit geflochtener Weide, Raffia oder Jute sowie Keramik und Glas. Für ein Sideboard bedeutet das: sichtbare Maserung statt Lack, vereinzelte Flechtelemente als Einsatz in der Front und eine insgesamt sehr ruhige, naturnahe Anmutung. Das ist die direkte Fortsetzung des skandinavischen Ansatzes, nur mit einer Prise mehr Handwerk.
Structural + emotive: Geometrie mit warmem Kern
Die zweite Stilwelt arbeitet mit klaren, oft monochromen Flächen in Schwarz, Weiß und warmem Braun, ergänzt um duftende Hölzer und strukturiertes Glas. Auf das Sideboard übertragen heißt das: dunklere Fronten, klare geometrische Gliederung und bewusst gesetzte Materialkontraste, etwa Holz zu mattem Metall, wie es sich bereits bei Modellen mit Metallfüßen oder -griffen zeigt.
Noble + fancy: dunkles Holz und dekorative Details
Die dritte, dekorativste Stilwelt kombiniert Nussbaum, Oxblood-Rot und botanische Grüntöne mit historischen Anspielungen und kunstvollen Oberflächen. Hier trifft sich die Ambiente-Trendwelt inhaltlich mit der Retro-Bewegung: Beide holen dunklere, erzählerischere Materialien zurück ins Wohnzimmer, nachdem helles, reduziertes Design jahrelang den Ton angegeben hat.

Einen vierten, eher mineralischen Akzent setzt die Salone del Mobile in Mailand: Dort stand offenporöse Esche neben amerikanischem Nussbaum im Zentrum, während Travertin als Material des Jahres galt, vor allem für Tischplatten und Accessoires.
Für Sideboards heißt das: Steinoptik oder echte Steinplatten als Topper werden 2027 häufiger zu sehen sein, meist in Kombination mit warmem Massivholz darunter.
Die imm cologne wiederum ordnet diese Material-Trends aus Handelssicht ein und beschreibt mit „New Basics“ eine Kategorie im mittleren Preissegment, die auf ehrliche Materialien, minimalistisches Design und einen Preis unterhalb psychologischer Schwellen setzt, FSC-zertifiziertes Massivholz inklusive.
Welche Farben dominieren Sideboards 2027?

Bei den Farben zeigt sich ein ähnliches Nebeneinander wie beim Material: eine ruhige, warme Grundierung, die sich je nach Stilwelt um unterschiedliche Akzente ergänzt. Die folgende Übersicht fasst zusammen, welche Töne zu welcher Richtung passen.
| Stilrichtung | Leitfarben | Wirkung im Wohnzimmer |
|---|---|---|
| Skandinavisch / clear + lovely | Cosy White, Roasted Apricot, Mellow Green, Delicate Caramel | hell, ruhig, naturnah |
| Mineralisch / Salone-Stil | Sand, Creme, Mocha, Terrakotta, Ziegelrot | warm, erdig, zeitlos |
| Structural + emotive | Nocturnal Black, Bright White, Warm Brown | grafisch, konzentriert |
| Retro / noble + fancy | Oxblood, Nussbaumbraun, Salbeigrün, gedecktes Lila | dekorativ, erzählerisch |
Für die Praxis heißt das: Ein einzelnes Sideboard muss sich nicht auf eine Farbwelt festlegen. Viele der aktuellen Modelle kombinieren einen hellen Holzkorpus mit farbigen Fronten oder Griffen, genau die Art von Akzent, mit der sich mehrere der hier beschriebenen Stilwelten gleichzeitig bedienen lassen, ohne das ganze Wohnzimmer neu zu planen.
Welche Rolle spielt das Sideboard in den Wohnzimmer-Trends 2027?

In den aktuellen Wohnzimmer-Trends wandert das Sideboard von der Nebenrolle in eine tragende: weg vom reinen Stauraum für Dinge, die sonst nirgends hinpassen, hin zum gestalterischen Anker des Raums.
Der britische Vintage-Marktplatz Vinterior beobachtet genau diese Verschiebung: Stauraummöbel werden zunehmend als gestalterischer Ankerpunkt im Raum geplant und nicht mehr als nachträgliche Lösung behandelt. Das Sideboard übernimmt damit eine Funktion, die früher dem Sofa oder dem Couchtisch vorbehalten war.
Praktisch zeigt sich das an drei Stellen:
- Raumteiler-Funktion: Offene Grundrisse nutzen Sideboards zunehmend, um Wohn- und Essbereich optisch zu trennen, ohne eine feste Wand zu brauchen.
- Bewusste Oberfläche: Die Ablagefläche wird aktiv bespielt, mit Leuchten, Keramik und wenigen, bewusst ausgewählten Objekten statt mit Alltagskram.
- Zweitfunktion: Als Hausbar, Technik-Verstau oder Sideboard mit integrierter Beleuchtung übernimmt es zunehmend Aufgaben, die früher eigene Möbelstücke brauchten.

Welches Sideboard passt zu deinem Wohnstil?
Nicht jede Messe-Trendwelt lässt sich eins zu eins ins eigene Wohnzimmer übertragen. Die folgende Orientierung hilft, die für dich passende Richtung einzugrenzen, bevor du nach Maßen und Preisen filterst.
| Du magst... | Richtung | Achte auf |
|---|---|---|
| ruhige, helle Räume ohne viel Dekoration | Skandinavisch / Japandi | helle Eiche oder Esche, grifflose Fronten, schlanke Beine |
| Nostalgie mit Wiedererkennungswert | Retro (60er/70er) | Schiebetüren, Lamellen, warme Akzentfarben |
| klare Kanten mit Charakter | Structural + emotive | Holz-Metall-Kontrast, dunkle, matte Flächen |
| Sammlerstücke und Erzählwert | Noble + fancy | Nussbaum, Glasfronten, dekorative Details |
Was bedeutet das für die Sideboard-Wahl heute?
Die vier Messen sind sich in einem Punkt einig, auch wenn sie unterschiedliche Sprache dafür benutzen: Langlebigkeit schlägt kurzlebigen Trend. Ob skandinavisch reduziert oder retro verspielt, am Ende zählt ein Material, das Gebrauchsspuren verträgt, und eine Form, die auch in fünf Jahren noch trägt, nicht nur optisch.
Genau das ist der Grund, warum viele baltische Manufakturen bei diesen Trends selten hinterherlaufen müssen: Massivholz, klare Linien und reduzierte Produktionsmengen waren dort nie der Trend von übermorgen, sondern seit jeher die Arbeitsweise.






