MARIA RÄSTA DESIGN
Im Gespräch mit Maria Rästa aus Estland über ihren Weg zum Möbeldesign, den vielseitigen TIBU und die Freude an Alltagsgegenständen.


Anfänge und Haltung
Wie entstand Maria Rästa Design?
Als Abschlussarbeit an der Höheren Kunstschule Tartu entwarf ich im Auftrag eines Unternehmens eine ethnografisch inspirierte Leuchtenserie. Es war mein erstes bezahltes Designprojekt. Für die Abwicklung musste ich ein eigenes Unternehmen gründen. Rückblickend war das der erste Schritt zu Maria Rästa Design. Später kamen neue Ideen, Produkte und Kooperationen hinzu, aus denen meine kleine Designmarke entstand.
Welche Werte prägen die Arbeit – und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Qualität, Funktionalität und positive Emotionen sind mir wichtig. Meine Gegenstände sollen im Alltag wirklich nutzbar sein und zugleich etwas Freude in den Tag bringen.
Als kleine Herstellerin bedeutet Nachhaltigkeit für mich vor allem widerstandsfähige Materialien, lokale Produktion und zeitloses Design. Alle meine Produkte entstehen in Estland, hauptsächlich aus Holz und Multiplex. Seit Jahren bringe ich außerdem Verschnittreste in Schulen und Kindergärten. Sie haben oft interessante Formen und eignen sich gut zum Basteln. Diese Wiederverwendung reduziert Abfälle und unterstützt gleichzeitig Lernen und Kreativität – ein einfaches, praktisches Beispiel dafür, wie ich Nachhaltigkeit umsetze.
Wie beeinflusst die eigene Herkunft die Entwürfe?
Mein estnischer Hintergrund zeigt sich, glaube ich, in der Einfachheit, der nordischen Klarheit, der Naturnähe und der Materialwahl meiner Arbeiten. Ich mag natürliche Materialien und schätze Ehrlichkeit und Funktionalität bei Gegenständen.
Die Natur Estlands ist für mich eine wichtige Inspirationsquelle. Dort erhole ich mich, finde Ruhe und sammle Gedanken. Ich glaube, dass sich diese Ruhe und Ausgewogenheit auch in meinen Arbeiten widerspiegeln.
Die Klarheit, Alltagstauglichkeit und Naturnähe des estnischen Designs sind Werte, die sich auch in meiner Arbeit zeigen. Gleichzeitig ergänze ich diese nordische Klarheit gern um etwas Verspieltheit und positive Emotionen.
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Design und Alltag
Welches Produkt oder Projekt macht besonders stolz?
Am stolzesten bin ich wohl auf TIBU. Er entstand während meines Möbeldesignstudiums als praktische Arbeit im ersten Studienjahr und wurde schnell zu einem Produkt, das mich auf meinem gesamten Weg als Designerin begleitet hat.
TIBU war auf zahlreichen Ausstellungen estnischen Designs weltweit zu sehen und ist zum charakteristischen Produkt von Maria Rästa Design geworden. Inzwischen ist er von Estland aus in 45 Länder gereist. Besonders freut mich, dass er seit vielen Jahren hergestellt wird und weiterhin seinen Weg in die Wohnungen der Menschen findet.
Ich mag vor allem, wie unterschiedlich Menschen TIBU nutzen: als Beistelltisch, Nachttisch, Pflanzen- und Blumenständer oder Fußstütze.
Ich habe viel positives Feedback von Käufern erhalten. Manche haben TIBU mehrfach oder als Geschenk gekauft. Diese warmen und aufrichtigen Rückmeldungen sind mir sehr wichtig. Sie geben mir Sicherheit und helfen mir, auch in unsicheren Phasen an meine Arbeit zu glauben. Über seinen praktischen Wert hinaus zeigt TIBU für mich, wie ein Möbelstück positive Emotionen auslösen kann.
Was bedeutet gutes Design?
Gutes Design verbindet Funktionalität mit Emotionen. Mir ist wichtig, dass ein Gegenstand eine emotionale Beziehung zum Menschen aufbaut. Wenn er praktisch und bequem ist und schon beim bloßen Ansehen Freude bereitet, ist er mehr als ein Gebrauchsgegenstand.
Was sollen die Produkte den Menschen vermitteln?
Positive Gefühle. Der Alltag ist oft hektisch und zweckorientiert. Ich glaube aber, dass selbst die gewöhnlichsten Dinge um uns herum unsere Stimmung verbessern können.
Meine Produkte sollen ein wenig an die Verspieltheit der Kindheit erinnern und daran, kleine Freuden wahrzunehmen. Wenn ein von mir gestalteter Gegenstand jemanden schmunzeln lässt oder zu Hause ein schönes Gefühl schafft, hat er seinen Zweck erfüllt.
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Herkunft und Perspektiven
Welche Geschichte über Maria Rästa Design sollte erzählt werden?
Vielleicht, dass mein Weg zum Design keineswegs geradlinig war. Bevor ich Möbeldesign an der Höheren Kunstschule Tartu studierte, studierte ich Sport an der Universität Tartu und gab Aerobic-Kurse. Obwohl ich schon als Kind gern zeichnete und bastelte, führte mich das Leben zunächst in eine andere Richtung.
Zum Design fand ich erst später, als ich meine erste Wohnung einrichtete. Ich fand in den Geschäften nicht die Möbel, die ich mir wünschte, und begann, selbst Entwürfe zu zeichnen. Nach diesen Zeichnungen entstanden die ersten maßgefertigten Möbel. Dabei spürte ich, dass mich die Gestaltung von Möbeln und Räumen wirklich anspricht. Rückblickend war das der entscheidende Moment, der meinen weiteren Weg veränderte.
Was macht estnisches Design besonders?
Ich schätze seine Ehrlichkeit und Unmittelbarkeit. Weil wir ein kleines Land sind, stehen Designer oft sowohl der Produktion als auch den Menschen, die ihre Produkte nutzen, sehr nahe. Dadurch können sie besonders auf Details und Qualität achten. Estnisches Design besitzt für mich viel nordische Klarheit, Naturnähe und Alltagstauglichkeit. Gleichzeitig trauen sich estnische Designer, eigenständig zu sein und ihre eigene Formensprache zu suchen.
Was sollten Menschen in Deutschland über Estland wissen?
Estland ist klein, aber sehr kreativ und offen für Neues. Wir werden oft als digitales Land wahrgenommen, doch unsere enge Verbindung zur Natur ist ebenso wichtig.
Wir haben Moore, Wälder, das Meer und vier sehr unterschiedliche Jahreszeiten. Das beeinflusst auch unser Design. Wir schätzen Qualität, Funktionalität und Langlebigkeit, Wiederverwendung, Einfallsreichtum und Kreativität. Außerdem gibt es in Estland viele talentierte Designer und kleine Hersteller, die hochwertiges Design auf internationalem Niveau schaffen.
Das Interview wurde für den Baltic Design Shop ins Deutsche übersetzt.


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